Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Wein

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Der Klimawandel ist in aller Munde. Es gibt viel Für und Wider, viele Theorien und noch mehr Prognosen. Eines ist jedoch klar, es haben bereits Veränderungen stattgefunden. Veränderungen, die viele Winzer dazu nötigen ihre Produktion umzustellen oder gar ganz einzustellen. Kurzum, in einigen Weinbauregionen wird es in der Jahresmitte zu heiß um die bekannt gute Qualität und auch Quantität zu erzeugen. Andere, nördlichere Regionen, sind trotz der Erwärmung bereits heute in der Lage Weinsorten anzubauen, die früher nur in südlichen Regionen zu finden waren.

Was passiert mit den Weinbauregionen

Weinreben sind gute Indikatoren für Klimaschwankungen. Sie reagieren sensibel auf Umschwünge, vor allem, wenn diese dauerhaft zu verzeichnen sind. Als Beispiel kann das weltweit bekannte, in Atlantiknähe gelegene,  Anbaugebiet Bordeaux gelten. In diesem Weinbaugebiet wird  teuerster Wein produziert, noch. Die Qualität der Weine, ihr Geschmack und ihre Ausrichtungen sind berühmt und bekannt. Der Weinkenner schätzt diese Attribute und hat sich daran gewöhnt. Voraussichtlich wird er in den kommenden 50 Jahren nicht mehr in den vollen Genuss, der ihm bekannten Weine, kommen. Schleichend aber stetig steigt die Temperatur der Region, die benötigten Regenwassermengen nehmen laufend ab und das Terroir verändert sich, und somit auch die Weine. Schauen wir nun auf das südlich gelegene Weinbaugebiet Languedoc, das größte Anbaugebiet Frankreichs, das unter  Mittelmeereinfluss steht. Die angebauten Sorten profitierten jahrhundertelang von den sonnenverwöhnten Klimabedingungen der Region. Das Klima war temperaturtechnisch perfekt und lag im Mittel des Jahresdurchschnitts der Sonnenstunden am oberen Limit, für den optimalen Weinbau/Ausbau. Heute haben die Winzer, trotz der bereits stattgefundenen Erwärmung, Probleme. Viele Sorten verbrennen in der Sonne und es kommt zu Totalausfällen bei der Lese. Die Ministerien reagieren bereits. Es werden landwirtschaftliche Regionen für den Weinbau freigegeben, die klimatisch noch erträglich sind. Viele Winzer nutzen diese Chance und  geben ihre Flächen auf, um in kühleren Regionen neu anzufangen. Aber das Rennen gegen die Zeit ist absehbar. Die Klimaerwärmung wir weiter zunehmen und den Weinmarkt umkrempeln. Merlot aus England oder Pinot Noir aus dem Norden Deutschlands wird keine Seltenheit mehr sein, es wird zur Normalität werden.

Was passiert mit dem Wein?

Die Weine werden sich verändern. Wein ist von seinem Terroir und Mikroklima geprägt. Werden nun die berühmten Languedoc oder Bordeaux-Weine, um nur einige zu nennen, in anderen Regionen angebaut, werden sie nichts mehr mit den Weinen zu tun haben, die man heute noch kennt und sie aufgrund ihres Geschmacks, ihrer Art, Farbe und Struktur dem Stamm-Anbaugebiet zuordnen kann.

Aufgrund der Erwärmung werden die Reben früher austreiben, die Trauben werden an den Weinstöcken verbrennen oder so viel Zucker, sprich Alkohol erzeugen, dass die Mineralität auf der Strecke bleibt und der hohe Alkoholgehalt den Geschmack erschlägt. Andererseits kann die Fruchtzuckerbildung, jenseits der 30 Grad Celsius Marke, auch stagnieren oder ganz ausfallen, je nach Sorte der Rebe. Da hilft auch höchste Kellerkunst nicht mehr weiter, wenn das Lesegut von minderer Qualität ist.

Um einen Vergleich zu liefern, seien die typisch europäischen Weinsorten genannt, die heute in Australien, Neuseeland, Afrika und vielen Staaten der USA angebaut werden. Die dort herrschenden Klimabedingungen sind mit den europäischen nicht zu vergleichen. Das andere Terroir, die Sonnenstunden und die mögliche Bewässerung der Anbauflächen verzerren den uns aus Europa bekannten Charakter. Aber was fällt dabei auf? Diese Weine sind in der Regel von höherem Alkoholgehalt und dominanten Fruchtnoten, die bis zu marmeladenartigen Einflüssen changieren. Gerade wegen dieser Eigenschaften haben diese Weine eine große Anhängerschaft gewonnen. Ein direkter Vergleich, eines, zum Beispiel, in Chile angebauten Sauvignon Blancs und einem der aus dem südwestlichen Frankreich stammt, ist schier unmöglich. Die Reben mögen zwar gleich sein, aber die Ergebnisse verschieden. Nun stellt sich die Frage, was ist besser? Besser ist immer das, was dem jeweiligen Weinfreund am besten schmeckt. Sicher gibt es Fraktionen die dem altem Weinbau verschrieben sind und am Ursprünglichen festhalten, allerdings entspricht das nicht mehr dem Zeitgeist und einer sich im Umbruch befindlichen Welt. Klimabedingungen, die man nicht mehr verändern kann, sollte man hinnehmen und sich an den positiven Aspekten, hier dem Wein, erfreuen.

Der Klimawandel stürmt sicher einige Hochburgen des Weinbaus und hinterlässt verlassene Gegenden, die früher einmal die besten Weine der Welt hervorbrachten. Anderseits eröffnet die globale Erwärmung neue Perspektiven für die Winzer, besonders in Gegenden, die vor der Erwärmung nur frostsicheres Rebgut zuließen. Dem Weintrinker werden so, nach und nach, ständig neue Genüsse zuteil, die evtl. alten Weinen ähnlich sind oder sich in einem völlig neuen Kleid zeigen. Der Weinmarkt ist jedenfalls in Bewegung und wird uns hoffentlich, immer aufs Neue, positiv überraschen.

Zusammenfassend einige Fakten:

Grundvoraussetzungen für einen lukrativen, qualitativ hochwertigen Weinbau sind Jahresdurchschnittstemperaturen von ca. 10 bis 20 Grad Celsius. Innerhalb dieser Ober und Unterwerte sollte sich das Klima bewegen. Das setzt voraus, dass sich das Weinbaugebiet auf der Nordhalbkugel der Erde etwa zwischen dem 30. und 50. Breitengrad befindet. Auf der Südhalbkugel ist das Gebiet noch straffer gefasst und zwar zwischen dem 30. und 40. Breitengrad. Der Anbau ist vom Terroir bestimmt, auf dem bestimmte Weinsorten optimal wachsen. Wie das Wachstum vonstattengeht, bzw. die Entwicklung, hängt in starkem Maße vom Klima ab. Der Austrieb beginnt im Frühjahr in Perioden die sich um die 10 Grad Celsius bewegen. Ist die Rebe im Blütenstand sind Temperaturen zwischen 15 und max. 35 Grad akzeptabel, das Optimum liegt im Mittelwert. Werden die Werte überschritten, bzw. unterschritten, kommt es zu Schäden an den Blüten oder die Entwicklung des Fruchtzuckers in der Traube stagniert und der Abbau der Apfelsäure kommt ins Stocken. Sprich, der Wein wird sauer und alkoholbetont. Dies und noch weitere begleitende Faktoren beeinflussen den Weinbau grundlegend. Verändern sich nun die Klimazonen, verändert sich zwangsläufig auch der Wein.

Last, but not least

Ob es nun Bordeaux, die Champagne, das Elsass, Rioja, Duero, deutsche, italienische oder österreichische Weinbaugebiete sind, alle werden auf den Klimawandel reagieren aber uns nach wie vor mit Weinen versorgen, deren beste Auswahl  in den Weinregalen von Vineshop24 für Sie bereitsteht.

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