Weinkritiker – Eine Welt der Punkte und Sterne Teil III

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weinkritiker teil III

Teil drei unser Serie über die Weinkritiker dieser Welt. Wir stellen in diesem Beitrag die Weinkritiker vom anderen Ende der Welt sowie die Experten für deutsche Weine vor und beenden unsere Miniserie mit einem Fazit zum Thema Weinkritiker.

Kritik am anderen Ende der Welt

Südafrika

Auch der aufstrebende südafrikanische Markt hat seinen eigenen Weinexperten – John Platter. In seinem jährlich erscheinenden Werk „Platters South African Wines“ bewertet der Journalist südafrikanische Weine sowie die jeweiligen Weingüter. Auch Platter kann und will sich seinem kommerziellen Einfluss nicht entziehen – je höher die Auszeichnung mit Platter-Sternen, desto teurer ist der Wein. Sein Bewertungssystem beruht auf einer 5 Sterne-Skala. Die Bewertung erfolgt in ½ Sterne-Schritten bis zur Höchstbewertung von 5 Sternen. Übrigens – es heißt, dass Platters Enthusiasmus für Weinkritik dem „Kleinen Johnson“ von Hugh Johnson geschuldet ist. Nach dessen Lektüre im Jahr 1980 beschloss Platter ein ebenso umfassendes Werk für den südafrikanischen Markt zu entwickeln. Heute hat er mit seinem mittlerweile mehr als 20-köpfigen Team alle renommierten Weingüter mit ihren Weinen charakterisiert und bewertet. Ähnlich wie Robert Parker will auch John Platter in Zukunft kürzertreten und hat sich weitgehend aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen. „John Platter’s South African Wines Guide“ gibt es weiter.

Australien

Australien hat ebenfalls „seinen“ Weinkritiker mit Namen James Halliday. Dieser hat inzwischen mehr als 70 Bücher zum Thema Wein veröffentlicht. Bereits seit 1986 gibt er einen jährlichen Weinführer mit Namen „Australian Wine Companion“ heraus. Das inzwischen fast 800 Seiten umfassende Werk bewertet die Weingüter nach einer 5-Sterne-Skala und die Weine nach dem bekannten 100 Punkte System.

Neuseeland

Selbst Neuseeland steht in der Welt der Weinkritik nicht hinten an. Mit New Zealand Wines 2017 Michael Cooper`s Buyer`s Guide ist gerade die 25. Ausgabe dieses Weinführers auf den Markt gekommen. Michael Cooper und sein Team verkosten und bewerten jedes Jahr mehr als 3000 neuseeländische Weine mit einem 5-Sterne System, wobei auch halbe Sterne vergeben werden.

Und Experten für deutsche Weine?

Auch für deutsche Weine gibt es eine Vielzahl bekannter Weinkritiker: den Briten Stuart Pigott, Armin Diel, Mario Scheuermann, Till Ehrlich, Gerhard Eichelmann, Marcus Hofschuster, Ulrich Sautter, Stephan Reinhardt, Eckhard Supp, Peter Moser, August F. Winkler oder die Schweizerin Chandra Kurt. Kritisch mit ihrer Zunft befassten sich Till Ehrlich und Ulrich Sattner in ihren Veröffentlichungen und hinterfragten Sinn und Unsinn der gängigen Weinkritik.

Das Buch „Eichelmann Deutschlands Weine“, auch bekannt unter dem Kurznamen „Der Eichelmann“, ist ein seit 2000 erscheinender Weinführer von – na klar – Gerhard Eichelmann. Fast 1.000 deutsche Weingüter beschreibt und bewertet Eichelmann mit bis zu 5 Sternen in seinem Werk. In der gleichen Anzahl gibt es Einzelbewertungen von Weinen, die wie bei Parker in der 100 Punkte Skala eingeordnet werden.

Und schließlich ist da noch der „Gault Millau Wein Guide Deutschland“. Dieser erscheint einmal jährlich als Buch. Die Weine werden dort auch nach einem 100-Punkte-System bewertet. Warum soll man auch international erfolgreiche Gepflogenheiten ändern. Rund 640 Weinerzeuger werden mit ihren Produkten meist offen bewertet. Blindproben werden lediglich zur objektiven Überprüfung der Ergebnisse durchgeführt. Zusammengefasst werden fast 12.000 Weine getestet, von denen die meisten es allerdings niemals in den „Gault Millau Wein Guide Deutschland“ schaffen. 2009 kam auch der „Gault“ in unliebsame Schlagzeilen. Die Deutschen Spitzenwinzer um den Winzer des Jahres 2009, dem Pfälzer Weingut Knipser, erklärten ihren Austritt aus dem Procedere. Der Streit entzündete sich daran, dass zusätzlich zu den kostenlos zugesandten Weinen die Winzer eine „freiwillige“ Gebühr von 200 Euro entrichten sollten. Ein kurzer Sturm im Weinglas: mittlerweile sind alle protestierenden Winzer wieder drin im „Gault Millau Wein Guide“. Der Verlag nahm von den Gebühren Abstand und wirbt heute damit, eben keine Gebühren zu erheben.

Fazit

Sind wir jetzt schlauer in der Welt der Weinkritiker? Es ist doch so: ein Wein muss schmecken. Natürlich geben die Bewertungen renommierter Weinkritiker wertvolle Fingerzeige zur Qualität eines Weines. Allerdings wies eben auch eine Jancis Robinson bereits in ihrem 1995 erschienenen Buch „Weinkurs“ darauf hin, nicht die eigenen Geschmacksempfindungen von noch so namhaften Kritikern beeinflussen zu lassen. Sie berichtete von einem guten Freund, der an einem Abend einen wirklich wohlschmeckenden Wein getrunken hatte: „Er schmeckte mir so gut, aber dann habe ich bei Robert Parker darüber nachgelesen, und dieser gab ihm nur 83 Punkte.“ Auch hinter 83 Punkten von Robert M. Parker kann sich ein unglaublicher Wein verstecken, der Ihnen schmeckt. Probieren Sie es aus.

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