Weinland Mosel

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Deutschland ist ein Weinland! In dieser Serie stellen wir die dreizehn deutschen Weinbaugebiete für Qualitäts- und Prädikatswein vor. Thema dieses Beitrags ist das traumhafte Moseltal wo seit nunmehr 2.000 Jahren Wein angebaut wird.

Malerisch und manchmal auch gigantisch ?

Malerisch schlängelt sich die Mosel durchs Tal. Steile Felsen und sanfte Hügel, zahlreiche kleine und größere Weinparzellen mit Tausenden Rebstöcken säumen den Weg des Flusses. Wohin auch das Auge schweift: wunderschöne mittelalterliche Städtchen, verwunschene Burgen, viele kleine Gastwirtschaften und Ausflugslokale am Ufer – das Tal der Mosel ist immer eine Reise wert. Flussaufwärts geht es von Koblenz über das mittelalterliche Cochem, Traben-Trarbach, Bernkastel-Kues mit seinen Giebelfachwerkhäusern, weiter zum ältesten Weinort Deutschlands, Neumagen-Dhron, und schließlich bis zum alten Trier (Augusta Treverorum). Ob zu Fuß, mit dem Rad, motorisiert oder dem Schiff – man kann das traumhafte Moseltal auf vielfältige Weise bereisen. Das Schiff als letztgenanntes Verkehrsmittel bietet mit Sicherheit die schönsten und einzigartigsten Blickwinkel auf eine besondere deutsche Wein-Landschaft. Zugegeben – der Reisende ist zwischen Ürzig und Zeltingen-Rachtig kurz irritiert, überspannt doch dort der gigantische Neubau der Hochmoselbrücke das Tal. Aber Schiffe haben die schöne Angewohnheit, einfach weiter zu tuckern, und so verschwindet der Super-Bau nach der nächsten Moselschleife – und alles ist wieder gut.

Die Römer brachten den Weinbau an die Mosel

Seit nunmehr 2.000 Jahren wird im Moseltal Wein angebaut. Schon in der Antike entstanden im Gefolge von Cäsars Legionen im Bereich von Trier die ersten Weinhänge. In den Jahrhunderten darauf war eines in der Kaiser- und Residenzstadt stetig – der hohe Durst und Bedarf an gutem Wein. Dieser war schon immer nach der Zeitenwende hochgeschätzt und so begann die Epoche des Weinbaus an der Mosel. Als „Mosel“ wird nach § 3 Abs. 1 Nr. 6 im deutschen Weingesetz das Weinbaugebiet für Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) im Tal der Mosel mit den Nebentälern von Saar und Ruwer bezeichnet. Bis zum Jahr 2006 hieß das Gebiet noch Mosel-Saar-Ruwer.

Einzigartige Bedingungen

Auf ihrem Weg von der luxemburgischen Grenze nach Koblenz legt die Mosel rund 250 Kilometer zurück. Viele Jahrmillionen Jahre ist es her, als sich der Fluss tief in die dunklen Sedimente des rheinischen Schiefergebirges grub. Diese dadurch entstandenen geologischen und klimatischen Bedingungen waren die Grundlage für das außerordentlich hohe Niveau und den einzigartigen Charakter der heutigen Moselweine. Die Gegend ist eine der wärmsten Regionen Deutschlands und bildet ein eigenes Mikroklima aus. Die Schieferschichten bestimmen den Charakter der mineralischen Mosel-Rieslinge, und natürlich auch der anderen Sorten, die hier angebaut werden.

Eine gute Entscheidung – der Riesling

Nach dem Auf und Ab der verschiedenen Epochen erlebte gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Weinbau an der Mosel eine große Blütezeit. Die Steillagen-Rieslinge von Mosel, Saar und Ruwer waren begehrt und oft in höchsten Preiskategorien angesiedelt. Kaiser, Könige und allerlei Adelsleute tranken sie an den Höfen in Europa, und ja, auch die Bischofssitze und Kardinals-Burgen hatten immer einen guten Moselwein im Haus.
Der letzte Trierer Kurfürst, Erzbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen, verfügte im 18. Jahrhundert Maßnahmen, die man heute getrost jeder Qualitätssicherungsabteilung zuschreiben würde.  Seinerzeit ließ er minderwertige Reben roden und durch bessere Riesling-Sorten ersetzen. Heute sind von rund 8.800 Hektar Weinbergfläche 5.364 Hektar mit diesen Rieslingstöcken bepflanzt.

Auf Quantität folgt Qualität

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Nachfrage nach fruchtigen Weißweinen rasant. Die Ausdehnung des Weinbaus in flach gelegenen Tallagen sorgte für eine unglaubliche Steigerung der Weinproduktion an der Mosel. Waren es am Anfang 7.500 Hektar Ende der 1950er Jahre, so zählte man 12.300 Hektar Anbaufläche Anfang der 1990er Jahre. Die heute genutzten nur knapp 8.800 Hektar kommen einer ganz wichtigen Eigenschaft zugute – der Qualität. Auch ist in den Winzerfamilien ein Generationswechsel zu beobachten. Natürlich war früher nicht alles schlecht, aber die jungen Winzer heute, oft studiert und experimentierfreudig, beleben die Moselweinwelt. Es gibt außerordentlich spannende neue Kreationen. Es wird experimentiert mit Riesling, Grauburgunder, auch Sauvignon Blanc und sogar roten Sorten. Eine goldene Zukunft scheint im Moseltal angebrochen zu sein.

Riesling über allem

Mehr als 3600 mutige Winzer erobern täglich den Steillagen. Es ist ein wahrer Knochenjob. Das Weinland Mosel unterteilt sich in sechs Bereiche: Moseltor, Obermosel, Saar, Ruwertal, Bernkastel und Burg Cochem. Diese Bereiche wiederum untergliedern sich in 19 Großlagen sowie weiter rund 520 Einzellagen. 2016 wurden rund 750.000 Hektoliter Wein produziert.

Bei den Rebsorten domminieren – na klar – die weißen. Wie schon erwähnt hat der Riesling mit großem Abstand die Spitzenposition inne. Ihm folgt mit etwas mehr als 1.000 Hektar Fläche der Müller-Thurgau, auch als Rivaner bekannt. Und auch die alte Rebsorte Elbling hat mit 511 Hektar eine ordentliche Basis. Bei den roten führt der blaue Spätburgunder mit knapp 400 Hektar, gefolgt vom Dornfelder, der es auf etwas über 300 Hektar schafft.

Ein Weinfest an der Mosel ist ein besonderes Erlebnis

Übrigens –  der steilste Weinberg Europas, der Bremmer Calmont, liegt im Moseltal. Und weltberühmt sind auch die edelsüßen Weine aus dem Moseltal. Jährlich erzielen sie bei Auktionen Rekordpreise. Und noch ein Tipp zum Schluss – besuchen Sie einfach eines der zahlreichen Weinfeste an der Mosel. Als Beispiel – natürlich stellvertretend für die anderen –  soll das Weinfest im kleinen Ort Erden dienen. Die Winzer von Erden feiern am ersten Wochenende im Oktober immer mit ihren Gästen ihr Weinfest. In der Regel drei Tage geht es hoch her, wundervolle Weine werden kredenzt, regionale leckere Speisen serviert, Bands spielen zum Tanz oder Zuhören auf – das ganze Dorf ist auf den Beinen und freut sich, Ihr Gastgeber zu sein.

Also, worauf warten Sie noch? Besuchen Sie das Moseltal.

 

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